Veranstaltungsvideo: Jesus im Schatten von Paulus

Irene Gysel legte ihren Gästen, Bettina Bartels, Pierre Bühler und
Jörg Frey vier Thesen zu Paulus und einer paulinischen Theologie vor. Die Thesen wurden auf Mark und Bein geprüft und hitzig diskutiert. Welche Thesen fanden Zustimmung? Welche wurden mit welchen Argumenten verworfen? Die ganze Diskussion ist auf unserem YouTube-Kanal zu finden.

These 1
Paulus zitiert nichts aus dem Leben Jesu, weder Unser Vater noch Gleichnisse, keine Seligpreisungen, keine Bergpredigt. Er verkündigt nichts, was ihm Menschen erzählt hätten (Gal. 1, 11–12), sondern ausschliesslich seine eigene Offenbarung Jesu. Er formuliert somit ein eigenes Evangelium.

These 2
Sein Gottesbild unterscheidet sich vom Gottesbild Jesu. Jesus verkündet das Reich Gottes. Sein Gott will keine Opfer (Mt. 12,7). Der himmlische Vater vergibt Schuld, wenn man ihn darum bittet. Der Gott von Paulus vergibt dem, der glaubt, dass Jesus mit seinem Tod als Opfer für die Schuld der Menschen gesühnt hat.

These 3

Glauben bei Paulus bedeutet nicht dasselbe wie glauben bei Jesus. Jesus fordert zum barmherzigen Handeln auf, Nachfolge bedeutet Umsetzung der Liebe zu Gott und zum Nächsten. «Nicht jene, die Herr, Herr sagen, sondern jene, die den Willen eines Vaters tun…» Paulus fordert Bekehrung und Glaubensgehorsam.

These 4
Paulus sieht in Jesus den Herrn und Weltenherrscher und das Lamm, das geopfert wurde (1. Kor. 5,7). In den Evangelien ist Jesus Menschensohn, Prophet, Rabbi, Heiler.

Auf das Streitgespräch mit Irene Gysel liessen sich ein:
Bettina Bartels, Pfarrerin in Affoltern am Albis, Erwachsenenbildnerin, Dozentin beim Evangelischen Theologiekurs ETK
Pierre Bühler, emeritierter Professor für Systematische Theologie, Hermeneutik und Fundamentaltheologie an der Universität Zürich.
Jörg Frey, Professor für Neues Testament an der Universität Zürich, mit den Schwerpunkten Antikes Judentum und Hermeneutik