Die Stiftung
Stiftungszweck
Die Evangelische Gesellschaft des Kantons Zürich engagiert sich seit 1847 für die Linderung von Nöten und trägt dazu bei, Menschen Halt und Heimat zu geben. Die Stiftungszwecke «Mission» und «Diakonie» wurden im Laufe der Zeit immer wieder an die gesellschaftlichen Veränderungen angepasst. Im Fokus steht heute die menschliche Begegnung in all ihren Facetten.
Aktuell betreibt die Stiftung drei eigene Projekte: die Herberge zur Heimat, den Waschsalon «Bubbles of Happiness» und das St. Anna Forum. Daneben unterstützt sie ausgewählte externe Projekte, die dem eigenen Stiftungszweck entsprechen.
Wir arbeiten eigenständig und finanziell unabhängig von der Reformierten Landeskirche, stehen mit dieser aber in regelmässigem Austausch. Die finanziellen Mittel für unsere Arbeit stammen überwiegend aus den Mieterträgen der sieben stiftungseigenen Liegenschaften. Die Stiftung verfolgt keine kommerziellen Zwecke und erwirtschaftet keinen Gewinn.
Geschichte
Die Evangelische Gesellschaft wird in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gegründet – als Teil einer Reformbewegung innerhalb der Evangelischen Landeskirche. Aus ihrem vielfältigen Engagement im diakonischen und seelsorgerischen Bereich entstehen im Laufe von über 175 Jahren verschiedene Organisationen, die fast alle selbständig werden und heute noch bestehen.
Zu den ersten Aktivitäten der Gesellschaft Ende der 1840er-Jahre gehören die Gründung der YMCA (heute CEVI) sowie die Einrichtung von Lesesälen für Jugendliche und Lesezirkeln für Erwachsene. Das Ziel: die Menschen an Sonntagnachmittagen von der Strasse zu holen, ihnen Gemeinschaft zu bieten und sie geistig zu festigen. Auch die Landmission wird 1874 aus dieser Idee heraus geboren.
Aus der Verbreitung religiöser Schriften entsteht 1934 der Zwingli-Verlag, heute Teil des Theologischen Verlags Zürich. Das Bildungsanliegen der Evangelischen Gesellschaft schlägt sich darüber hinaus in der Gründung des Gymnasiums Unterstrass (gegr. 1869), der Freien Evangelischen Schule (gegr. 1874) sowie des Freien Gymnasiums (gegr. 1888) nieder, die bis heute unter den Namen Freie Schule, Freies Gymnasium Zürich sowie unterstrass.edu weiterleben.
Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt sind die diakonischen Werke. Die ehemalige Diakonissenanstalt Neumünster, die heute als Teil einer selbständigen Stiftung das Spital Zollikerberg, das Pflegeheim Rehalp sowie das Alterszentrum Hottingen führt, wird 1857 im Umfeld der Evangelischen Gesellschaft ins Leben gerufen. Das erste Spital führt die Evangelische Gesellschaft bei der Kirche Neumünster in Riesbach.
Daneben setzt sich die Evangelische Gesellschaft seit jeher für all jene ein, die ein Dasein am Rande der Gesellschaft fristen. 1847 gründet sie den Evangelischen Armenverein, zwei Jahre später den Verein für Strafentlassene. Auch die Geschichte der Zürcher Stadtmission reicht bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Als Verein namens Solidara führt sie heute das Café Yucca im Zürcher Niederdorf, einen Treffpunkt für sozial benachteiligte Menschen aller Altersklassen. Ein anderer Zweig von Solidara befindet sich im Kreis 4: die Isla Victoria, eine niederschwellige Anlauf- und Beratungsstelle für Frauen im Sexgewerbe.
Aus dem Heim für durchziehende Handwerksburschen entsteht 1866 im damaligen Augustinerhof der Evangelischen Gesellschaft die Herberge zur Heimat. Heute befindet sie sich an der Geigergasse und bietet rund 50 Männern eine feste Wohnmöglichkeit mit Leichtpflege-Abteilung. Weitere neun Bewohnende zählt die Aussenstelle der Herberge, die Villa Cäsar im zürcherischen Pfäffikon.
1957 ruft die Evangelische Gesellschaft die erste Telefonseelsorge der Schweiz ins Leben: die «Dargebotene Hand», bis heute eine wichtige Anlaufstelle für psychisch belastete Menschen.