Menschen
Abschied nehmen. Im Gespräch mit Céline Humm
Einen geliebten Menschen zu verlieren, ist das Schlimmste, was einem passieren kann. Vielfach lässt einen ein solcher Verlust verstummen, weil es schlichtweg keine Worte für das Unfassbare gibt. Doch was, wenn dieser Mensch sich selbst dazu entschieden hat, seinem Leben ein Ende zu setzen – und dann auch noch gewaltsam und ohne Abschied ? Wie soll man sich und anderen Menschen erklären, dass sich in die Trauer auch Wut mischt ? Wut auf den Menschen, der einen allein zurückgelassen hat?
Céline Humm kennt diese Gefühlsachterbahn. Mit 34 Jahren verlor sie ihre Mutter durch Suizid. Der Verlust des eigenen Ursprungs wühlt auf, die eigene Endlichkeit wird lauter und rückt näher. Ein Suizid ändert alles: Ungeklärtes bleibt ungeklärt. Unzählige Fragen bleiben unbeantwortet. Wie schafft man es, schwere Verluste so in ein Leben zu packen, dass man dabei nicht zerbricht und dass sich die eigenen Kinder später nicht an den Scherben des Geschehenen schneiden?
Im Gespräch gingen Céline Humm und Michael Wilke der Frage auf den Grund, wie man über etwas spricht, für das uns Worte fehlen. Beide kamen zu dem Schluss: Wege entstehen, wenn wir sie gehen, und Sprache entsteht durch Sprechen. Erst dann gelingt es, Frieden zu finden und nach vorn zu schauen.